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Aus einem Artikel von Dr.Werner Bartens (Süddeutsche Zeitung "Tut so weh" vom 23.11.2016)

..... Patienten mit Rückenschmerzen werden viel zu oft geröntgt und ihre Beschwerden häufig nicht optimal behandelt. Neben der schädlichen Strahlenbelastung für Patienten sind immense Kosten für das Gesundheitswesen die Folge. Und besser geht es den Schmerzgeplagten hinterher keineswegs. .........

Jeder fünfte gesetzlich Versicherte geht mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt - 27 Prozent suchen gar vier Mal oder öfter einen Arzt auf. "Von jährlich mehr als 38 Millionen rückenschmerzbedingten Besuchen bei Haus- oder Fachärzten und den dabei veranlassten sechs Millionen Bildaufnahmen wären viele vermeidbar", .........

Mehr als zwei Drittel glauben schließlich, dass sich im CT, Röntgen- oder Kernspinbild die Ursache des Schmerzes finden lässt.

Die Mehrzahl der Rückenschmerzen ist psychosomatisch bedingt

Das aber ist ein Trugschluss, denn nur bei 15 Prozent der Patienten lässt sich der Grund für die Schmerzen mit einer Aufnahme der Wirbelsäule ermitteln. "Oft werden die Befunde der Bildgebung überbewertet. Dies führt zu unnötigen weiteren Untersuchungen und Behandlungen, zur Verunsicherung des Patienten und kann gar zur Chronifizierung der Beschwerden beitragen", sagt Jean-François Chenot von der Uniklinik Greifswald.

Häufig geht die Pein im Kreuz nämlich nicht auf eine Unwucht in der Statik zurück oder auf die Bandscheiben. Die Mehrzahl der Rückenschmerzen ist psychosomatisch bedingt. Das heißt nicht, dass es nicht trotzdem wehtut. Die Menschen haben Beschwerden, weil privater wie beruflicher Ärger und Stress dem empfindlichen Rückgrat zusetzen, nicht aufgrund von Defekten in der Knochenkette. Besonders gefährdet ist, wer sich im Beruf nicht genügend wertgeschätzt fühlt. ...... Auch die Behandlung der Patienten läuft oft falsch. Physiotherapie kann helfen - laut aktuellem Report wird aber 43 Prozent der Betroffenen Ruhe und Schonung empfohlen und ihr Krankheitsgefühl verstärkt. Dabei sollten Patienten gemäß Leitlinien ihre gewohnten Aktivitäten gerade beibehalten und sich bewegen - sowie negative Gedanken an ihre Beschwerden vermeiden. 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen gelten schließlich als "medizinisch unkompliziert und nicht spezifisch".

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Heute in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein lehrreicher Artikel über unsere (Un-)Fähigkeiten zum Multitasking und deren Folgen:

"Dass ein Mensch nicht in der Lage ist, mehrere, noch dazu komplexe Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, wird von anderen Studien untermauert. So gaben die französischen Forscher Sylvain Charron und Etienne Koechlin von der Pariser Elitehochschule École normale supérieure zum Beispiel Probanden zwei Aufgaben, die sie gleichzeitig bewältigen mussten, und machten dabei Scans ihres Gehirns. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass das menschliche Denkorgan viel besser arbeitet, wenn es nur eine Aufgabe zu bewältigen hatte. Denn dann konnten sich beide Hirnhälften auf diese konzentrieren, bei zwei Fragestellungen musste sich, vereinfacht ausgedrückt, je eine um das Problem kümmern. Das hatte zur Folge, dass die Lösung der beiden Aufgaben in der Summe länger dauerte, als wenn sie einzeln angegangen worden wären. Zudem stieg die Fehlerquote bei zwei Aufgaben.

Den ganzen Artikel lesen Sie hier: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/ablenkung-im-buero-das-maerchen-vom-multitasking-14501041.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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"Schmerzen können auch ein Aufruf zur besseren 'Selbstfürsorge' sein. Das bedeutet manchmal, trotz Schmerzen das zu tun, was einem gut tut." sagt Peter Henningsen, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik an der TU München.

Über Ausmaß und Verbreitung von Schmerzen entscheidet die Schmerzweiterleitung und die -verarbeitung.

Dies wird im Artikel von Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung von heute (02.11.2016) beschrieben. "Ohne den Zauber ritueller Handlungen und ohne die Erwartungshaltung der Patienten wären viele Behandlungen wirkungslos oder allenfalls halb so effektiv. Die akademische Medizin hat diese "weichen" Faktoren lange vernachlässigt, dabei beobachten Ärzte immer wieder, dass Medikamente manchen Patienten helfen, anderen hingegen keinerlei Linderung verschaffen."

http://www.sueddeutsche.de/wissen/placebo-forschung-den-schmerz-abschalten-1.3226778

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Das sind die Grundlagen die Kinder erfahren sollten. Zu diesem Resümee gelangt Werner Bartens in seinem Artiklel in der Süddeutschen Zeitung vom 11.102016 (Die unsichtbare Keule).

"Wie viel noch getan werden muss, damit frühe Bindungen und verlässliche Beziehungen als wesentliche Grundlage des Miteinanders anerkannt werden, erlebte Brisch während einer Tagung mit Maori-Heilern in Neuseeland. Die Maori baten zu Beginn, drei Dinge zu benennen, die eine Gesellschaft den eigenen Kindern mitgeben solle. Die westlichen Bindungsforscher diskutierten ewig und fanden am Ende keinen gemeinsamen Nenner. Die Maori waren nach einer halben Minute einig: Caring, Sharing, Loving - sich kümmern, teilen, lieben."

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Werner Bartens beschreibt in seinem Artikel "Die unsichtbare Keule" (11.10.2016 Süddeutsche Zeitung) die körperlichen Folgen emotionaler Gewalt. Sie sind erheblich.

"Wer immer wieder Kränkung und Missachtung erlebt, dessen körpereigene Stressachse ist dauerhaft hochreguliert, der steht ständig unter Strom. Hormone wie Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet, und das Dauerfeuer macht anfällig für diverse Leiden. Zudem ist die Schmerzschwelle erniedrigt und die Immunabwehr geschwächt. Untersuchungen von Menschen, die als Kinder in Ceaușescus berüchtigten rumänischen Kinderheimen ohne emotionale Wärme gelebt haben, zeigen, dass sie zeitlebens anfälliger für Infektionen sind, auch wenn sie längst der sozialen Isolation entronnen sind.

"Schon bei kleinen Kindern lässt sich beobachten, dass sie häufiger krank sind, ihre Sterblichkeit erhöht ist und ihre kognitive wie emotionale Entwicklung langsamer verläuft, wenn sie vernachlässigt werden, früh für längere Zeit von ihren Eltern getrennt sind oder andere Formen emotionalen Missbrauchs erfahren", sagt die Psychologin Sabine Aust von der Charité in Berlin. "Ist die Stressachse dauerhaft aktiviert, schädigt das den Hippocampus." Diese für die Gefühlsverarbeitung wohl wichtigste Struktur im Gehirn bleibt kleiner und ist stark beeinträchtigt, wenn Kinder früh Kränkungen und Erniedrigungen erleben. Die Reaktion auf angstauslösende Reize fällt in der Folge stärker aus, zudem ist der körperlich empfundene Schmerz nach Ablehnung größer. "Die biologischen Systeme für die Verarbeitung von Schmerzen und Emotionen überschneiden sich zu erstaunlich großen Teilen", sagt Aust.

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