Was nehme ich wahr, wenn ich einen Menschen berühre?

Wir berühren und werden jeden Tag berührt. Berühren und berührt werden ist untrennbar miteinander verbunden. Im Rebalancing ist die "wahrnehmende Berührung" die als Dialog erlebt wird, von großer Bedeutung.

Das Gewebe (d.h. der berührte Mensch) hat verschieden Möglichkeiten auf Berührung zu reagieren. Die Berührung an- oder abzulehnen oder diese nicht weiter zu beachten. Der Berührende wird das folgendermaßen wahrnehmen: Der Gewebetonus sinkt langsam, verhärtet oder reagiert nicht unter der Berührung.

Ein wichtiger Lernsatz im Rebalancing lautet: "Du kannst nicht zu tief, nur zu schnell sein." Wenn ich zu schnell ins Gewebe einsinke, dann wird das Gewebe, also der Mensch mit "Verhärtung" reagieren. Übergehe ich dieses Signal, dann wird es schmerzhaft - für den Berührten ebenso wie auch für mich!

Berühre ich eine Verhärtung im Gewebe (also im Menschen) verringert sich mein Druck etwas und ich warte. Da das Gewebe (also der Mensch) immer in Bewegung ist, beginnt diese Bewegung u.a. diese Verhärtung kontinuirlich von Innen her "aufzuweichen". Die Verhärtung verändert sich. Deutlich wahrnehmbar sowohl für mich, als auch für den Berührten. Würde ich den Druck an der "harten Stelle" erhöhen, entspräche dies mehr einem Kampf mit dieser Körperstruktur (also mit diesem Menschen). Der Gewebstonus (also der Mensch) wird härter.

Dieser beschriebene Prozess wird in der Regel beobachtet, aber nicht aktiv besprochen. Gestik, Mimik, willkürliche oder unwillkürliche Körperbewegungen sind weitere Hinweise, die ich aktiv im Berührungsdialog beobachte und interpretiere.

Die wahrnehmende Berührung geht noch einen Schritt weiter. So ist es möglich, dass ich während der Berührungen z.B. Gefühle, Bilder, Stimmungen oder auch körperliche Reflexe wahrnehme. Dies sollte ich aktiv verbal in der Behandlung einbringen, d.h. dass ich diese Wahrnehmungen den Klienten mitteile. Das bietet zusätzliches Potential: für jeden Menschen, für sein Gewebe - und bietet eine weitere Möglichkeit dass er sich als ganzheitlichen wunderbaren Körper erfährt.

Die Physiotherapeutin Antje Bähr hat über diese Prozesse eine Doktorarbeit geschrieben. Der Titel: "Welche Bedeutung hat die wahrnehmende Berührung für den physiotherapeutischen Prozess?"