Werner Bartens beschreibt in seinem Artikel "Die unsichtbare Keule" (11.10.2016 Süddeutsche Zeitung) die körperlichen Folgen emotionaler Gewalt. Sie sind erheblich.

"Wer immer wieder Kränkung und Missachtung erlebt, dessen körpereigene Stressachse ist dauerhaft hochreguliert, der steht ständig unter Strom. Hormone wie Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet, und das Dauerfeuer macht anfällig für diverse Leiden. Zudem ist die Schmerzschwelle erniedrigt und die Immunabwehr geschwächt. Untersuchungen von Menschen, die als Kinder in Ceaușescus berüchtigten rumänischen Kinderheimen ohne emotionale Wärme gelebt haben, zeigen, dass sie zeitlebens anfälliger für Infektionen sind, auch wenn sie längst der sozialen Isolation entronnen sind.

"Schon bei kleinen Kindern lässt sich beobachten, dass sie häufiger krank sind, ihre Sterblichkeit erhöht ist und ihre kognitive wie emotionale Entwicklung langsamer verläuft, wenn sie vernachlässigt werden, früh für längere Zeit von ihren Eltern getrennt sind oder andere Formen emotionalen Missbrauchs erfahren", sagt die Psychologin Sabine Aust von der Charité in Berlin. "Ist die Stressachse dauerhaft aktiviert, schädigt das den Hippocampus." Diese für die Gefühlsverarbeitung wohl wichtigste Struktur im Gehirn bleibt kleiner und ist stark beeinträchtigt, wenn Kinder früh Kränkungen und Erniedrigungen erleben. Die Reaktion auf angstauslösende Reize fällt in der Folge stärker aus, zudem ist der körperlich empfundene Schmerz nach Ablehnung größer. "Die biologischen Systeme für die Verarbeitung von Schmerzen und Emotionen überschneiden sich zu erstaunlich großen Teilen", sagt Aust.