Was berührt uns, wenn wir berührt werden?

Ein Lied ergreift, ein Filme rührt an, ein gutes Wort oder der Klang einer liebevollen Stimme erwärmt unser Herz. Etwas Bewegendes fasst uns ganz, packt uns und lässt uns nicht mehr los. Als Verliebte konnten wir die Hände nicht mehr voneinander lassen. Körperliche Berührungen trösten weinende Kinder und beruhigen ängstliche Erwachsene.

Berührung im Rebalancing finden vor allem mit unseren Händen statt. Was ist eine Hand?

Anatomisch betrachtet besteht jede Hand aus 27 Knochen, 36 Gelenken, 39 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Tausenden Berührungsrezeptoren. Sie ermöglichen uns greifen, zeigen, streicheln, fühlen, hämmern, zählen und tragen. Die vielen faszialen Strukturen, Muskeln und Gelenke der Hand sorgen sowohl für eine große Bewegungsvielfalt als auch für einen präzisen Griff.

Ein enges Geflecht von Nerven und Sensoren verleiht unserer Hand das nötige Fingerspitzengefühl. Damit unterscheiden wir z.ß. Temperaturen, Gegenstände und Konsistenzen eindeutig voneinander. Die Nervenenden in der Handfläche sorgen dafür, dass Druck-, Bewegungs- und Vibrationsreize sofort ans Rückenmark und Gehirn weitergeleitet werden.

Schätzungsweise 25 Millionen Mal werden die Finger einer Hand im Laufe eines Lebens gebeugt und gestreckt. Der Stellung des Daumes verdanken wir es, dass wir auch mit einer Hand allein schon feste zupacken können. Unsere Handflächen werden durch eine Sehnenplatte, die Palmaraponeurose, vor Verletzungen und schmerzhaften Empfindungen geschützt, damit das feste Zupacken nicht unangenehm ist.

Seit je werden unsere Hände für berührende und heilende Rituale benutzt. Schon Jesus hat häufig Menschen die Hand aufgelegt, um sie zu segnen oder zu heilen. Berührungen können sehr anrühren, gerade wenn man krank, geschwächt oder ohne Hoffnung ist. Taucht heute irgendwo der Papst auf, drücken sich Menschen nach Möglichkeit in seine Nähe, in der Hoffnung, von ihm berührt und gesegnet zu werden. In der christlichen Tradition hat die Berührung eines Priesters oder Pfarrers große Bedeutung. Das Gefühl, so Gottes Hand zu spüren, kann für Gläubige enorm bewegend sein.

Eltern streicheln ihren Kindern zum Abschied über den Kopf oder legen ihnen in schwierigen Situationen die Hand auf die Schulter. Hat jemand eine heikle Aufgabe zu erledigen, klopft man ihm auf den Rücken, um Mut zu machen.

Das Heilsame an der Berührung ist offenkundig: Wer uns einfühlsam umarmt, stärkt uns den Rücken, richtet uns auf; wenn das Gefühl sich ändert, folgt auch der Körper. Wer uns die Hand reicht, fest drückt oder gar streichelt, nimmt uns an. Berührung kann den Puls beruhigen, Ängste besänftigen und das Immunsystem stärken.

Wie wichtig Berührung für unser Wohlergehen und Wohlempfinden ist, lernen Menschen vom ersten Moment des Lebens an. Man weiß heute sicher, dass Hautkontakt wichtig ist, um eine Bindung an die Mutter und andere Bezugspersonen zu entwickeln. Ohne Zuspruch und Körperkontakt können sie nicht leben. Und wir?

Rebalancing Körpertherapeuten nutzen das Wohlempfinden, das Hände auf dem Körper auslösen können. Mit achtsamen, tiefen und langsamen Streichungen lindern sie Leiden und Schmerzen. Sie nutzen die alltägliche Erfahrung, dass die warme und erwünschte Berührung einer mitfühlenden Hand beruhigen wird.

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