Aus "Wir mögen kein Fett" - Fragen an drei ehemalige Chirugen (Herr Wolff, Herr Bauer und Herr Rothmund) im SZ Magazin vom 28.07.2017

WOLFF: Wenn die Indikation nicht stimmt, ist jeder Eingriff überflüssig.

BAUER: Wirbelsäulenoperationen! Es gibt eine Menge Leute, die am Rücken operiert werden, bei denen es nicht notwendig ist. Der Befund im Kernspin und die Beschwerden passen oft nicht zusammen. Viel zu viele Leute werden operiert, weil man etwas im Röntgenbild sieht. Dabei ist überhaupt nicht gesagt, dass die Beschwerden daher kommen. Und hinterher sind sie immer noch da. Oder die Kniespiegelung bei Arthrose: Eine Studie hat gezeigt, dass es Patienten nach einer Arthroskopie mit Knorpelglättung und Gelenkspülung nicht besser ging als Patienten nach einer Placebo-Operation, bei der nur die Haut angeritzt wurde.

ROTHMUND: Ich habe einen Vortrag eines englischen Arztes gehört, Thema Leistenbruch-Operationen. Es wird von Ärztevertretern ja immer beklagt, dass es in England monatelange Wartezeiten gibt, während man in Deutschland angeblich innerhalb von acht Tagen operiert wird. Im Vortrag wurde deutlich: Beim Großteil der Männer verschwanden die Beschwerden während der Wartezeit. Viele Männer über sechzig mit Leistenbruch müssten also nicht operiert werden!

BAUER Ich habe seit drei Jahren einen Leistenbruch, der ist auch nicht operiert.