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Posts tagged: Psychosomatik

Aus der Süddeutschen Zeitung von heute - ein Artikelausschnitt von Werner Bartens

Im Bild wird der dreidimensionale Raum zwar auf zwei Ebenen reduziert, doch der Betrachter erkennt auch die dritte und sieht tiefer. Für die Medizin bedeutet das, die sozialen und psychischen Dimensionen von Krankheit und Gesundheit ebenfalls wahrzunehmen - wie auch die anderen Botschaften, die von Patienten ausgehen.

So ist beispielsweise die Abwehrkraft des Immunsystems ebenso wenig starr gegeben wie die Anfälligkeit für Krankheiten. Ob jemand sich ansteckt und krank wird, hängt von Stimmungen, Erlebnissen und der gesamten psychischen Verfassung ab. "Hormone und Neurotransmitter kreuzen wie Sätze durch unseren Organismus, sie senden Botschaften", sagt der Psychoneuroimmunologe Christian Schubert von der Universität Innsbruck. Diese Botschaften werden aufgenommen und beeinflussen sich wechselseitig: Eine Entzündung wirkt sich auf die Psyche aus, man fühlt sich schlecht; ist womöglich gereizter. Umgekehrt macht eine angeschlagene Psyche anfällig für Entzündungen.

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Aus einem Artikel von Dr.Werner Bartens (Süddeutsche Zeitung "Tut so weh" vom 23.11.2016)

..... Patienten mit Rückenschmerzen werden viel zu oft geröntgt und ihre Beschwerden häufig nicht optimal behandelt. Neben der schädlichen Strahlenbelastung für Patienten sind immense Kosten für das Gesundheitswesen die Folge. Und besser geht es den Schmerzgeplagten hinterher keineswegs. .........

Jeder fünfte gesetzlich Versicherte geht mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt - 27 Prozent suchen gar vier Mal oder öfter einen Arzt auf. "Von jährlich mehr als 38 Millionen rückenschmerzbedingten Besuchen bei Haus- oder Fachärzten und den dabei veranlassten sechs Millionen Bildaufnahmen wären viele vermeidbar", .........

Mehr als zwei Drittel glauben schließlich, dass sich im CT, Röntgen- oder Kernspinbild die Ursache des Schmerzes finden lässt.

Die Mehrzahl der Rückenschmerzen ist psychosomatisch bedingt

Das aber ist ein Trugschluss, denn nur bei 15 Prozent der Patienten lässt sich der Grund für die Schmerzen mit einer Aufnahme der Wirbelsäule ermitteln. "Oft werden die Befunde der Bildgebung überbewertet. Dies führt zu unnötigen weiteren Untersuchungen und Behandlungen, zur Verunsicherung des Patienten und kann gar zur Chronifizierung der Beschwerden beitragen", sagt Jean-François Chenot von der Uniklinik Greifswald.

Häufig geht die Pein im Kreuz nämlich nicht auf eine Unwucht in der Statik zurück oder auf die Bandscheiben. Die Mehrzahl der Rückenschmerzen ist psychosomatisch bedingt. Das heißt nicht, dass es nicht trotzdem wehtut. Die Menschen haben Beschwerden, weil privater wie beruflicher Ärger und Stress dem empfindlichen Rückgrat zusetzen, nicht aufgrund von Defekten in der Knochenkette. Besonders gefährdet ist, wer sich im Beruf nicht genügend wertgeschätzt fühlt. ...... Auch die Behandlung der Patienten läuft oft falsch. Physiotherapie kann helfen - laut aktuellem Report wird aber 43 Prozent der Betroffenen Ruhe und Schonung empfohlen und ihr Krankheitsgefühl verstärkt. Dabei sollten Patienten gemäß Leitlinien ihre gewohnten Aktivitäten gerade beibehalten und sich bewegen - sowie negative Gedanken an ihre Beschwerden vermeiden. 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen gelten schließlich als "medizinisch unkompliziert und nicht spezifisch".

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